Posts Tagged ‘swoopo’

Vor einigen Monaten habe ich einen Post zum Geschäftsmodell der Auktionsplattform Swoopo geschrieben haben. Der Post führte zu einer hitzigen Diskussion, in der die Meinungen über Swoopo von “tolle Schnäppchenplattform” bis “Betrug” reichten. Durch die steigende Präsenz in der deutschen Werbelandschaft und die Expansion von Swoopo ins europäische und außereuropäische Ausland - beides wahrscheinlich finanziert durch das 7,5-Millionen-Swoopo-Investment von August Capital Partners - wurde das Thema nun auch von den amerikanischen Medien aufgegriffen. Was mich natürlich besonders freut ist die Tatsache, dass positive Meldungen zu Swoopo - mal abgesehen von den offiziellen Pressemitteilungen der Swoopo-PR-Agentur - extrem dünn gesät sind, wohingegen die deutschen und internationalen Medien Swoopo ebenfalls mit extrem kritischen Augen sehen.

So stellt bspw. Mark Gimein in seinem Artikel in der Washington Post am 12. Juli “At Swoopo, Shopping’s Steep Spiral Into Addiction” die Frage an die Leser, was sie als Betreiber eines Online-Shops tun würde,n um seine Kunden so effizient wie möglich von ihrem Geld zu trennen. Die Antwort lautet (frei übersetzt): Sie würden wahrscheinlich versuchen, Käufer durch Schnäppchenpreise anzuziehen und sie dann in einer Auktion gegeneinander ausspielen. Sie würden die Kunden dazu bewegen, schnelle Entscheidungen zu treffen, ohne sich die Zeit zu nehmen, darüber nachzudenken, wieviel Geld sie gerade ausgeben. Obendrein verlangen Sie zu jeder Zeit nur sehr kleine Geldbeträge, die jedoch Zahlungen von ein paar Cent bis hin zu hunderte von Dollar zulassen.

Darüber schreibt Marg Gimein - ebenfalls frei übersetzt - Swoopo…
…kombiniert den Suchtfaktor von Auktionen mit den Gewinnaussichten von Lotterien zur verschlagensten Methode aller Zeiten, um die Leute von ihrem Geld zu trennen.
…ist eine Online-Auktionsplattform, die auf teuflische Art und Weise mit dem irrationalen Drang jedes Käufers spielt, um ihn in das hineinzuziehen, das Crack unter den Online-Shoppingplattformen sein dürfte.
…spielt die Erkenntnisse aus der Spieltheorie (der Ökonomen Daniel Kahnemann und Amos Tversky) wirkungsvoll aus, um seine Käufer zu schlechten Entscheidungen zu bewegen.
…ist das böse Stiefkind der Spieltheorie und der Verhaltensökonomie.

Dieser kritischen Meinung schließt sich auch Freakonomics, der Blog der New York Times, in seinem Post “Shopping for Gamblers” an. Diese und wahrscheinlich noch viele weitere Negativmeldungen in der breiten internationalen Öffentlichkeit dürften wahrscheinlich letzten Endes Swoopo zu einer kleinen Neuausrichtung veranlasst haben. In der letzten Swoopo Pressemitteilung ist zu lesen, dass Swoopo jetzt auch die Möglichkeit bietet, laufende Auktionen abzubrechen und Artikel sofort zu kaufen. Heise Online begründet diesen Schritt damit, dass einerseits das neue Swoopo System fairer und - gerade für Kunden, die bereits viel Geld bei Swoopo in nicht gewonnenen Auktionen versenkt haben - attraktiver wird und sich Swoopo andererseits durch den Verkauf von mehreren Produkten je Auktion ein Umsatzwachstum erhofft. Ich persönlich habe mir das neue System noch nicht genauer angesehen, stimme Heise Online aber nur im ersten Punkt zu, das zweite Argument sehe ich etwas anders. Folge des Mehrfachverkaufs könnte zwar ein Umsatzwachstum sein, jedoch müsste der Gesamterfolg des Unternehmens eher sinken, da die Marge auf die zusätzlich verkauften Produkte deutlich geringer sein muss (wie in meinem letzten Post zu Swoopo beschrieben, lag diese teilweise im 4-stelligen Prozentbereich und das kann mit dem regulären Verkauf von Elektronikartikeln bei Verzicht auf die bisherigen sehr zweifelhaften Auktionsmechanismen sicher nicht erzielt werden). Hinzu kommt, dass das das eigentliche Entertainment-Shoppingsystem von Swoopo komplett verwässert wird und kein vernünftiger / rational denkender Swoopo-User, der das System durchschaut hat das alte System einsetzen wird.

Für mich ist dieser Schritt eher ein Ausweg aus der kritikbehafteten Öffentlichkeit - weg von der unseriösen Auktions- / Glücksspielplattform hin zu einem langfristig angelegten Shoppingkonzept, um nicht nach 2 Jahren wieder den Namen / die Marke, die durch wahrscheinlich nicht unerhebliche Werbespendings aufgebaut wurden aufgrund des Reputationsverlusts wieder einstampfen zu müssen (wie damals die Umfirmierung Telebid in Swoopo). Dass auch dem Investor August Capital Partners etwas an der längerfristigen Reputation liegen dürfte zeigt deren Sinneswandel. So begründete Howard Hartenbaum, Partner bei August Capital, die Entscheidung für die Investition in Swoopo im April 2009 mit folgender Aussage: „Swoopo ist ein innovatives Businessmodell, das Shopping mit Spaß verbindet. Die Kombination von Schnäppchenjagd und Entertainment hat uns überzeugt.“ Mittlerweile wurde dem Investor offensichtlich auch bewusst, dass das bisherige Geschäftsmodell auf der Abzocke der Kunden beruht und somit für eine 7,5-Millionen-Euro-Investition auf zu kurzfristige Profits ausgerichtet war. In seinem Post “We’re Trying To Be Less Evil. Really” schreibt Mark Gimein am 10.07.2009, dass Howard Hartenbaum das Problem und die Gründe für die negative Presse von Swoopo erkannt und verstanden hätte und ihn gebeten hätte, etwas über die Veränderungen von Swoopo in ein faireres System für die Käufer zu schreiben.

Mein Fazit:
Swoopo geht mit dieser Neuausrichtung - wenn auch nicht ganz unfreiwillig, sondern um einem bevorstehenden Komplett-Reputationsverlust vorzubeugen - einen Schritt in die richtige Richtung, der offenbar auch vom Investor initiiert wurde, um Swoopo von einer kurzfristigen Abzockveranstaltung in ein langfrstiges und nachhaltiges Online-Shoppingkonzept zu verwandeln. Leider ist offensichtlich Swoopo selbst von diesem Schritt noch nicht so ganz überzeugt, sonst hätten sie sich nicht die Möglichkeit eingeräumt, das neue Modell nur als Test anzulegen und es jederzeit wieder einstellen zu können. Natürlich kann Swoopo nicht einschätzen, wieviele der Kunden das neue System überhaupt annehmen werden. Sollte sich jedoch herausstellen, dass die Mehrheit das sichere Bezahlsystem annimmt und nicht mehr das extrem risikobehaftete Gebotssystem zum Kauf der Produkte nutzt, muss sich Swoopo von Margen im Bereich >1.000% verabschieden und schwimmt nur noch im Teich der anderen Onlineshops mit. Damit können zwar auch langfristige Erträge erzielt werden, so sexy wie es war wird es damit aber aus Unternehmens- und Investorensicht nie wieder sein. Die Frage die sich also stellt: Noch ein paar Monate Abzocken oder langfristig den Arsch retten? Mal sehen wie es weitergeht…

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- Nein… Swoopo.de ist nicht betrügerisch…

Juhuu, das neue Jahr geht gut los - hab gerade gesehen, dass mir Swoopo gestern noch ein sensationelles Silvestergeschenk per Mail geschickt hat (sollte ich mich doch getäuscht haben, und Swoopo ist gar keine Abzocke?): Einen Gutschein, der mir die Rückerstattung aller Swoopo-Bids für eine Auktion zusichert…

…wäre da nicht das Kleingedruckte, wodurch das Geschenk leider etwas relativiert wird. Die Rückerstattung der o.g. Bids erfolgt demnach nicht in Geld, sondern über Freebids, die nur innerhalb von 7 Tagen eingelöst werden können. Um also in den Genuss des Geschenks zu kommen muss ich nochmal so eine unsinnige Swoopo-Auktion durchmachen.

Was bedeutet dieses Geschenk nun für das Auktionssystem von Swoopo? Wen beschenkt Swoopo da denn jetzt genau - mich oder sich selbst?

Effekt 1 - Steigerung der Gebote im Aktionszeitraum
Durch die vermeintlich geschenkten Bids werden nun also im Aktionszeitraum, für den der Swoopo-Gutschein gültig ist, die Auktionen durch die Beschenkten schön in die Höhe getrieben => 1:0 für Swoopo!

Effekt 2 - Steigerung der Gebote in den nächsten 7 Tagen
Die Rückerstattung der Bids kostet Swoopo so gut wie gar nichts, da diese voraussichtlich für Bids eingesetzt werden, die sonst nicht gesetzt worden wären, wodurch die Auktionen also auch in den nächsten 7 Tagen (Einlösungszeitraum für die Freebids) künstlich nach oben getrieben werden => 2:0 für Swoopo!

Effekt 3 - Nichteinlösung der Freebids
Eine Vielzahl der Beschenkten wird aufgrund der Erfolglosigkeit in der “geschenkten Auktion” innerhalb der nächsten 7 Tage an keiner weiteren Auktion teilnehmen und die Freebids verfallen lassen => 3:0 für Swoopo!

Effekt 4 - Beschenkte User verstehen das Swoopo-System
Die Beschenkten werden feststellen, dass Swoopo (u.a. durch die Effekte 1-3) nicht zum Schnäppchenmachen geeignet ist und Swoopo ihnen nur das Geld aus der zieht (quod erat demonstrandum)! Viele von ihnen wird Swoopo nie wieder sehen => Eigentor für Swoopo - 3:1 für Swoopo.

Fazit:
Auch durch das Geschenk konnte mich Swoopo leider nicht von seiner Fairness und Sinnhaftigkeit für den User überzeugen. Ich bleib dabei - Swoopo ist die Online-Auktion für Leute die´s nicht verstanden haben. Swoopo hat es aber mit dem Gutschein einmal mehr gezeigt, das Geschäft sehr wohl verstanden zu haben - noch einmal Hut ab und mein Respekt.

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Ich habe mich gestern mal bei Swoopo angemeldet, um etwas tiefer in das System einzusteigen. Nachdem ich nun hinter die Logik von Swoopo gestiegen bin möchte ich erst einmal meinen Hut vor den Erfindern dieses System zücken. Swoopo ist Verkaufspsychologie in Reinform, Respekt.

Und hier das Erfolgsrezept von Swoopo:

1.Man nehme bekannte Markenartikel - vorwiegend aus dem Elektronikbereich

2. Man ködere mit exorbitant günstigen Schnäppchenpreisen die potentiellen Käufer, die zunächst noch nicht so ganz hinter das Gebotssystem steigen

3. 1-cent- bzw. 10-cent-Gebote verkaufe man für einen Preis von 50 cent

4. Nun werden die Punkte 1 bis 4 gut vermengt und mit jedem Gebot die Auktionslaufzeit um 15 Sekunden verlängert.

5. Das ganze lässt man dann ein paar Tage gehen und fertig ist die Multiplikation des eigentlichen Ladenpreises.

6. Der Käufer mit dem bei Ablauf höchsten Gebots bekommt nun sein Wunschgerät zu einem vermeintlichen Bruchteil des Ladenpreises.

7. Die Rechnung für die Ersparnis, sowie für die nicht unbeträchtlichen Gewinne von Swoopo bezahlen die Mitbietenden, die zuletzt leer ausgehen.


Swoopo noch einmal im Klartext zum Mitschreiben und Mitdenken:

Die Auktionen bei Swoopo starten bei 0,00 EUR. Jedes Gebot erhöht den aktuellen Preis je Auktionsmodus um 0,10 oder 0,01 EUR. Der Haken an der Sache ist allerdings, dass diese Gebote erst einmal vom Mitbietenden gekauft werden müssen - 1 Gebot, egal ob es 0,01 EUR oder 0,10 EUR Wert ist, kostet 0,50 EUR und kann bei Swoopo per Kreditkarte oder Paypal paketweise gekauft werden. Jedes Gebot verlängert die Auktion um 15 Sekunden, in Abhängigkeit vom Auktionsstadium um 20, 15 oder zuletzt 10 Sekunden (diese kleine Korrektur widme ich meinem Diskussionspartner Dr. Sick (s.u.) - vielen Dank nochmal für den Hinweis), in dieser Zeit können dann Mitbietende ihre Gebote abgeben. Wir ständig geboten läuft die Auktion zu einem festgelegten Zeitpunkt ab, der einige Tage nach Auktionsstart liegt. Meist laufen die Auktionen allerdings zuvor aus, da keiner mehr mitbietet. Das hört sich nicht schlecht an, könnten man sagen. Um das Gegenteil zu beweisen habe ich im Folgenden mal ein kleines Rechenbeispiel, das für sich und gegen den Kauf bei Swoopo spricht.


Rechenbeispiel zu Swoopo - so zieht man Käufern das Geld aus der Tasche:

Angeboten wird ein Toshiba LCD-Fernseher mit 37″ Bildschirmdiagonale. Der bei Swoopo angegebene Vergleichsladenpreis beträgt 949,00 EUR. Die Auktion ist als sog. 1-cent-Auktion festgelegt, wodurch jedes Gebot den Artikelpreis um 1 cent erhöht. Wenn ich mir nun mal den Preis betrachte, zu dem der Fernseher zuletzt bei Swoopo über den Ladentisch ging, liegt dieser bei 120,50 EUR. Augenscheinlich ein Top-Angebot, da der Aukionsgewinner eine Ersparnis von 949,00 EUR minus 120,50 EUR gleich 828,50 EUR durch Swoopo erwirtschaftet hat.

Was aber hat der Fernseher wirklich gekostet?

Um auf einen Auktionspreis von 120,50 EUR sind bei einem Gebotsschritt von 1 cent 12.050 Gebote erforderlich. Jedes dieser Gebote kostet die Auktionsteilnehmer 0,50 EUR. Damit nimmt Swoopo bei dieser Auktion 6.025 EUR an Gebotsgebühren ein - für einen Fernseher, der mit einem Verkaufspreis von 949,00 EUR angeben ist. Wenn wir jetzt mal bspw. 20 Mitbietende annehmen muss jeder von ihnen 300 EUR in die Auktion stecken, damit einer von ihnen der Glückliche ist, der den Fernseher für 300 EUR Gebotskosten zzgl. 120,50 EUR Kaufpreis, also für günstige 420,50 EUR erhält. Blöd nur, dass die anderen leer ausgehen.

Fazit zu Swoopo:

Aus Sicht von Swoopo ist dieses System mit Sicherheit die Lizenz zum Gelddrucken. Aus Sicht der Käufer ist viel Hilfsbereitschaft gefragt, um die anderen Mitbietenden bei ihren günstigen Käufen mit eigenen 0,50-EUR-Geboten zu unterstützen. Wenn ich mir die Aktivität der Mitbietenden anschaue, wird mir bewusst, wie Selbstlos die deutsche Bevölkerung Gutes für Andere tut - eifrig bieten sie für etwas mit, das sie nie erhalten werden. Ich kenne dieses System der Versteigerung nur von Charity-Auktionen, bei denen jeder sein Gebot auch wirklich bezahlen muss - unabhängig davon, ob er die Auktion gewinnt oder nicht. Schade nur, dass es sich bei Swoopo nicht um einen gemeinnützige Einrichtung oder eine Hilfsorganisation handelt…

>> Wer das alles nicht glaub, oder sich trotzdem bei Swoopo einkaufen möchte kann sich hier bei Swoopo anmelden!

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