Konsumgutscheine sind die neu erfundenen Lebensmittelmarken des 3. Jahrtausends und werden seit gestern als die SPD-Wunderwaffe im erbitterten Kampf gegen die Rezession propagiert. Mit 500 geschenkten Euros soll damit jeder Bundesbürger seinen Beitrag zur Ankurbelung der Binnenkonjunktur leisten. Lediglich 200 Euro “Selbstbeteiligung” muss er bei seinem Einkauf auf den Konsumgutschein drauflegen, um sich als guter konsumorientierter Bürger am wirtschaftlichen Aufschwung zu beteiligen. So nett sich der Konsumgutschein in Politikerreden anhört, so löchrig ist auch dessen Umsetzung in der Realität. Ein paar Fragen wirft diese Idee des Konsumgutscheins schon auf:
1. Wie sieht die Bezahlung aus, wenn der Rechnungsbetrag nicht exakt 700 Euro beträgt?
Besteht der Konsumgutschein aus 500 Coupons, die jeweils mit 0,40 Euro Eigenanteil ergänzt werden müssen, um zumindest halbwegs eurogenaue Rechnungsbeträge bezahlen zu können? Oder verfällt der restliche Konsumgutschein einfach nach dem ersten Einkauf?
In letzterem Fall wäre die logische Konsequenz, dass die wirklich Bedürftigen den nächsten Sat1-Film-Film zwar vor ihrem nagelneuen 42″-TFT-Fernseher genießen, auf nettes Beiwerk wie Bier und Chips aber verzichten müssen. Jedem ist klar, dass dieses Beispiel die Folgen etwas überspitzt darstellt. Aber mal im Ernst: Wann hatte jemand zuletzt 700 EUR auf seiner Aldi-Rechnung stehen?
Was ich damit sagen möchte: Der 500-Euro-Konsumgutschein, der nur als ganzes eingesetzt werden kann dient der Luxusfinanzierung. Dass einige Bundesbürger davon aber lieber 2-3 Monate ihren Magen füllen würden wird bei diesem Modell leider nicht berücksichtigt.
2. Wie soll die Verteilung der Konsumgutscheine erfolgen?
Ich gehe schwer davon aus, dass diese per Post verschickt werden sollten. Wird es also am Tag der Ausgabe zu Briefkastenplünderungen oder Überfällen auf Briefträger kommen, die plötzlich neben ihren Postwurfsendungen auch noch Konsumgutscheine in Höhe mehrerer Hunderttausend Euro auf ihrem Fahrrad transportieren?
3. Sind die Konsumgutscheine personalisiert und nur vom Empfänger einlösbar oder sind sie übertragbar?
Im Falle der Übertragbarkeit eröffne ich hier auf der Stelle eine Zweitmarkt-Plattform, auf der diejenigen, die gerade keinen neuen Fernseher benötigen, sondern lieber Chips vor ihrem alten essen, ihre Konsumgutscheine gegen einen noch zu definierenden Abschlag veräußern können.
Fazit:
Meine Entscheidung steht fest: Ich bin gegen die Einführung der Konsumgutscheine und für die Verteilung des 450-Euro- Volksfernsehers zzgl. eines Home-Cinema-Verzehrpakets bestehend aus Chips, Bier und Limo für die Kleinen. Das kurbelt ebenfalls die Konjunktur an, die Mittel können gezielt an den deutschen Elektronikhersteller fließen, der dafür auch wieder eine Produktionsstätte aus Fernost nach Deutschland verlagert und der sozialistische Gedanke zur Vermeidung von Neid und MIssgunst unter der Bevölkerung kann reduziert werden - gleicher Fernseher für alle. Wenn auch ansonsten völlig unpolitisch habe ich beschlossen hierfür die Deutsche Konsum- und Fernsehpartei zu gründen, um o.g. Ziele tatkräftig in die Realität umzusetzen und bin dafür natürlich für jedes Feedback aufgeschlossen. Ich freue mich auf Kommentare…
>> Post in Englisch: Consumer goods notes - New televisions for everybody
Wahrscheinlich muss gleich noch ein ganz neues Ministerium geschaffen werden, das die Vergabe, Einlösung und Abrechnung der Gutscheine überwacht *g
*hihi*
Danke fürs Teilhabenlassen an diesem pointiert geschriebenen Text.
[...] >> Post in German: Konsumgutscheine - Neue Fernseher für alle! Category: Politik | add to mister wong [...]