Steuerverrat.de heisst der neue Onlineservice, mit dem jeder jeden bei den Finanzbehörden melden kann. Egal ob seine(n) Ex, seinen Chef oder sonstige Freunde, Bekannte oder Nachbarn - über eine sogenannte Schnellmeldung können bei dem Dienstleister Steuerverrat.de online Steuerunregelmäßigkeiten gemeldet werden. Steuerverrat.de behält sich dann von der erwirtschafteten Prämie, die die Finanzbehörden ausloben, lediglich 15% für Prüfung und Weitergabe an die Finanzbehörden ein - der Rest geht an den Denunzianten. Kein schlechtes Geschäft für den Verkauf von Freunden, Verwandten und Bekannten.
Der Grad der Steuerhinterziehung wird eingestuft in 6 Kategorien, je nach Umfang. Angefangen bei unter 1.000 EUR bis zur Königsklasse über 5 Mio. EUR, sodass auch wirklich jeder vom Praktikanten bis zum Spitzenverdiener und Millionär für den Verrat in Frage kommt.
Die Inspiration zu diesem Service dürfte der Liechtensteiner Datenklau gewesen sein, der dem Datendieb eine Belohnung von ca. 5 Mio. EUR einbrachte, welche vom Bundesfinanzministerium bezahlt wurde. Wahrscheinlich wird aber nicht nur die Aussicht auf eine Belohnung der Grund dafür sein, weshalb einige Leute Steuersünder in ihrem privaten und beruflichen Umfeld bei Steuerverrat “anzeigen” - in den meisten Fällen wird es eher um Missgunst, Neid und ähnliche Motive gehen.
Fazit: Toller Service, wenn auch noch nicht besonders schön aufbereitet.

Steuerverrat.de ist bestens geeignet für folgende Fälle:
- zur Erpressung seines Chefs bei neuen Gehaltsverhandlungen
- für die geschiedene Ehefrau, die ihrem Ex-Mann eins auswischen möchte (aber Vorsicht: Strafen und Nachzahlungen wirken sich negativ auf die zu erwartenden Unterhaltszahlungen etc. aus.)
- für die finale Austragung von Nachbarschaftsstreitigkeiten (Steuerverrat.de setzt dort an, so Rottenneighbor an seine Grenzen stößt)
- für Personen, die ihren Freunden das dicke Auto, die neue Wohnung oder den Luxusurlaub nicht gönnen (sicher findet sich bei jedem eine Steuerleiche im Keller)
- für alle, die ihren Bekannten und Verwandten schon immer mal die Meinung sagen wollten, sich dies aber nicht im direkten Kontakt trauen…
[...] Arschtrompete: Steuerverrat.de - Online-Steuer-Spitzel für Jedermann [...]
Zeit wird’s! Denn wer ein größeres Auto fährt als ich, der muß ja Dreck am Stecken haben. Neoliberales Kapitalistenausbeuterpack!
Guten Tag,
ich möchte gern klarstellen, dass unsere Dienstleistungen NICHT zur Erpressung des Chefs, zur Austragung von Nachbarschaftsstreitigkeiten und auch nicht für haltlose Denunziationen jeder Art geeignet sind. Wir übernehmen derzeit nur Fälle mit einem Volumen von mindestens 300.000 Euro, und diese Fälle prüfen wir äußerst gründlich. Es geht bei uns um echte, gewichtige Fälle von Wirtschaftskriminalität.
Jörg Sprave
@jörg sprave
ist schon klar, dass ihre dienstleistung nicht primär für die genannten fälle dienen soll. aber man macht sich halt immer so seine gedanken, wofür derart neue und noch nicht dagewesene dienste (mis-)braucht werden können.
Wir bekommen ja auch jede Menge Meldungen in der Art, die Sie beschreiben. Nur verfolgen wir solche Denunziationen eben nicht. Es mangelt dafür an Anreiz, von der moralischen Seite mal ganz zu schweigen.
Solche Meldungen haben einen gewissen Unterhaltungswert, leider können wir aus Diskretionsgründen natürlich nicht explizit darüber reden.
Immerhin haben wir bereits sechs Fälle an sieben Staatsanwaltschaften gemeldet, zum Teil sind die Ermittlungsverfahren auch schon eingeleitet worden. Die Fälle rangieren von 300.000 bis 300 Mio. Euro, im Mittel sind es vier bis fünf Millionen.
Was wir machen, ist nur die konsequente Umsetzung einer politischen Entscheidung - seit “Liechtenstein” ist es klar: Wer wertvolle Informationen hat, kann dafür eine Belohnung bekommen.
Jörg Sprave